Musenkuss von hinten

"Musenkuss von hinten"
Über die doppelte Wirklichkeit im rituellen Spiel der Gemeinschaft und anderen Grenzgebieten
mit Gandalf Lipinski
am 26. Oktober 2008, 12:00 Uhr, Polytope Morgengesellschaft
Das Rituelle Spiel ist eine spezielle Form des Körpertheaters. Es ist eine konzentrierte Form der Gruppenimprovisation und dient dazu, gemeinschaftlich und ganzheitlich ein Thema zu erkunden, das eine Gruppe oder Gemeinschaft von 8-15 Spielerinnen und Spieler umtreibt: Sich selbst körperlich, stimmlich, emotional und geistig erforschen, austoben und ausdrücken, persönliche Erfahrungen dem kollektiven Prozess zur Verfügung stellen, Muster des kollektiven Unterbewussten aufspüren und gestalten. Gandalf wird eine Einführung geben, wie dieses Spiel für gemeinscahftliche Projekte genutzt werden kann.
Wer Gandalf Lipinski trifft, fühlt sich unwillkürlich an einen feingeistigen Typus an Shakespeare-Schauspieler englischer Herkunft erinnert: Ein Prospero, der aus der Bühne gesprungen ist, und nun als selbstironischer, büchersammelnder Gentleman unter uns wandelt. Seinen markanten Vornamen hat er schon lange vor dem jüngsten Tolkien-Hype erhalten. Und doch spiegelt der Name seine Verbundenheit mit magisch-mythischen Stoffen. Gandalf ist seit über zwanzig Jahren Lehrer für Körpertheater, theatrale Tiefenarbeit und Rituelles Spiel.
Sein Diplom machte Gandalf als Schauspieler und Probenleiter an der Schauspielabteilung der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Später wurde er Mitbegründer der Theaterwerkstatt Hannover, Gründer und künstlerischer Leiter der Theaterschule TOC und des künstlerischen Langzeitprojekts ensemble 90, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Theatertherapie. Zugleich ist der Mann ein künstlerisch-politischer "Hans Dampf in allen Gassen": Seit langen Jahren ist er ein Aktivist bei jenen Bemühungen im grün-alternativen Lebensmilieu, die basisdemokratische, kommunitäre und zugleich globalisierungskritische Ansätze mit spirituellen, tiefenökologischen und persönlichkeitsbildenden Praktiken zusammenführen möchten - das ganze wird oft als "kulturkreative Bewegung" etikettiert. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern gründete er den Bildungsverein "Konvergenz-Gesellschaft". Ziel der Arbeit ist sowohl ein kritischer Blick für historische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge als auch der Aufbau von persönlicher und sozialer Kompetenz und Verantwortungsbereitschaft.
Veranstaltungsort: L'Aristokrassie im Belgischen Viertel in Köln; Bismarkstrasse 41, 50672 Köln; unweit der U-Bahn Stationen "Friesenplatz", "Hans Böckler Platz", "Köln West", Anfahrt hier.
Datum & Zeit: Sonntag, 26. Oktober 2008, 12 Uhr
Kosten: Wir wollen selbstverständlich keinen Gewinn mit der Veranstaltung machen; also ist der Eintritt frei. Wer den Brunch genießen will, der natürlich was kostet, regelt das also mit der Theke. Die Anreise von Jony Freudentahl aus Berlin muß aber von uns finanziert werden. Also werden wir - wie beim letzten Mal - wieder Geld sammeln.
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Dann tränkst Du mir den dürren Wald...

"Dann tränkst Du mir den dürren Wald..."
Literarisch-musikalischer Morgen
der sinnlichen Zweideutigkeiten
mit Jony Freudenthal
am 21. September 2008, 11:00 Uhr, Polytope Morgengesellschaft
Unser Gastkünstler ist diesmal die Sängerin Jony Freudenthal. Jony Freudenthal liest, spricht und singt erotische Märchen und Lyrik aus der Feder der Berliner Autorin Anna Kühne. Wenn sie singt, begleitet sie sich mit einem auf deutschen Bühnen nur sehr selten anzutreffenden Instrument - einer über hundert Jahre alten Konzertina, deren Klang allgemein eher mit poltrigen Matrosentänzen in Verbindung gebracht wird als mit anspruchsvoller Bühnenkunst. Ihre Musik ist eher von altdeutschen und keltischen Traditionen beeinflusst - eine faszinierende Mischung. Das passt sehr schön zu Anna Kühnes Märchen, Liedern und Gedichten, deren Sprache oft ähnlich altertümlich daherkommt, ohne dabei antiquiert zu wirken. Wir finden: Mit ihrem hellen, klaren, dabei jedoch sehr wandlungsfähigen und ausdrucksstarken Sopran schlägt Jony Freudenthal ihre Zuhörer in magischen Bann. Passt also...
möge sich bitte frühzeitig bei uns melden.
Veranstaltungsort: L'Aristokrassie im Belgischen Viertel in Köln; Bismarkstrasse 41, 50672 Köln; unweit der U-Bahn Stationen "Friesenplatz", "Hans Böckler Platz", "Köln West", Anfahrt hier.
Datum & Zeit: Sonntag, 21. September 2008, 11 Uhr
Kosten: Wir wollen selbstverständlich keinen Gewinn mit der Veranstaltung machen; also ist der Eintritt frei. Wer den Brunch genießen will, der natürlich was kostet, regelt das also mit der Theke. Die Anreise von Jony Freudentahl aus Berlin muß aber von uns finanziert werden. Also werden wir - wie beim letzten Mal - wieder Geld sammeln.
Und an alle Besucher, die über's Wochenende kommen oder aus Köln stammen: Denkt an die Demo und die Blockade gegen den Kölner Rassistenkongress:Demo Sa. 20.Sept. ab 9 Uhr
und
Konferenz-Blockade ab morgens.
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Götter und Menschen
"Götter und Menschen"
Workshop zu Grundlagenfragen
animistischer und polytheistischer Traditionen
vom 8. - 10. August 2008, Köln
Im Herbst letzten Jahres veranstalteten wir mit dem Kulturtheoretiker und Philosophiedozenten PD Dr. Narahari Rao (Saarbrücken) und in Kooperation mit dem "Rabenclan - Verein zur Weiterentwicklung heidnischer Traditionen e.V." einen theoretischen Workshop zu grundlegenden Fragen beim Verständnis animistischer und polytheistischer Traditionen. Im Zentrum stand die Frage wie Rituale und die für naturreligiöse Traditionen eigentümlichen personalen Beziehungen zu Pflanzen, Tieren und Gegenständen zu einem guten und gelungenem Leben beitragen. (Bericht dazu hier.)
Nun wollen wir am Wochenende vom 8. bis 10. August über das Thema "Götter und Menschen" nachdenken. Im Zuge der Esoterik-Welle wurden Götter wieder populär, oft allerdings in verflachter, trivialisierter oder psychologisierter Form. Wir werden in unserem Workshop folgenden Fragen nachgehen: Was macht Götter aus? Warum haben Götter Schwächen und Grenzen? Was heißt es, wenn Götter ihre Grenzen überschreiten? Wie hängt das mit dem zusammen, wenn Menschen ihre Grenzen überschreiten?
Vorgesehene Gliederung der Diskussion
Freitagabend
19:00 - 21:30
Unterscheidungsgewohnheiten
Reflexion über Kategoriengewohnheiten (Category Habits)
Was heißt sich mit Vergangenheit zu beschäftigen bzw.diese zu studieren?
Unterscheidungsmuster und Bereitstellung neuer Kategorien und Kategoriegewohnheiten
Samstag
10:00-11:30
und
11:45 - 13:15
Unterscheidungsgewohnheiten
Diskussion des Textes: Dieter Birnbacher: „Sind wir für die Natur verantwortlich?“
Unterscheidungsmuster und Erzeugung von Welten
14:45 - 16:15
und
16:30 - 18:00
Götter: Objekte der Verehrung oder Verhandlungspartner?
Diskussion der Texte: Greek Religion und Roman Religion
Diskussion ausgewählter Verse der Bhagavad-Gita
Sonntag
10:00 - 11:30
und
11:45 - 13:15
Herstellung: Handwerkermodell versus Designermodell
Herstellung als Verhandlung versus Durchsetzung des Willens
14:45 - 16:00
Ethos:
Ist es möglich einen neuen Ethos zu gründen?
Issues to ponder
For the workshop on 8th to 10th August 2008
Often, in the public discussions on policy, the following contrast is made: Actions ensuing from 'feelings' versus those ensuing from norms and values. For example, opposition to atomic energy can be said to stem either from a fear of its radio-active consequences or from a norm that any technology with long term unalterable consequences need to be avoided. Similarly, one may support the voluntary euthanasia either out of sympathy for the patients' desire to avoid chronic pain, or out of a respect for the principle of 'autonomy of the individual'.
What is referred to by 'actions ensuing from feelings' are, usually, those routine actions we are accustomed to in the day-to-day life: For instance, if we see someone suffering from pain we tend to help to relieve it whenever and howsoever we can. Therefore let me call such actions as those in accordance with dispositions in contrast to those in accordance with explicitly formulated rules or norms.
In this reformulation, of course, the meaning of the original contrast alters. How and in what way? This will be one of the points for discussion in the work-shop.
The next point for our discussion will be a thesis which you may find vague and innocuous, or perhaps, controversial: Our habitat is made by actions ensuing from our habits. The actions ensuing from habits are broadly of two types: Actions of manipulating and actions of distinguishing our environment. When a chair is made out of wood we manipulate our environment. We distinguish it, in contrast, when we identify wood as distinct from living trees.
The above two categories of actions certainly inter-relate and interact, and thereby bring about different worlds. In some worlds there are gods and in some there are none. How and why we bring about the one or the other types of worlds to live, or even, whether we can deliberately bring about such worlds at all, is the main theme of our workshop.
Texts to read and reflect
You find attached two articles from Encyclopedia Britannica, one on 'Greek Religion' and another on 'Roman Religion'. What is needed for our purpose is only the reading and reflecting on introductory sections each. The articles are made available in full in case you have time and interest to read the whole of them. Also attached for re-reading is the text we discussed in the last workshop: Ernst Tugendhat, "Wem kann ich danken? Über Religion als Bedürfnis und die Schwierigkeit seiner Befriedigung" (Online-Version see here)
In addition I request you to read the following:
Dieter Birnbacher, "Sind wir für die Natur verantwortlich?" in: "Ökologische Ethik", Hrsg. v. Dieter Birnbacher, Stuttgart 2001, Reclam Universal-Bibliothek 9983.
Narahari Rao
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Earth-a-live

"EARTH-A-LIVE"
Ein planetarisches Kunstprojekt
von Sten Linnander
am 13. Juli 2008, 11:00 Uhr, Polytope Morgengesellschaft
Wie es zu diesem Projekt kam ist eine geistige Abenteuerreise für sich, von der Sten Linnander (58) berichten wird. Der Sohn eines schwedischen Juristen in internationalen Regierungsdiensten und einer frühen Aktivistin gegen Frauenbeschneidung wuchs u.a. im Nepal und Afghanistan auf und studierte später Geophysik. Der humorvolle, kosmopolitische Freigeist bewegt sich seit langen Jahren in alternativen Forschungszusammenhängen jenseits des wissenschaftlichen Mainstreams und steht im Austausch mit den ungewöhnlichsten Denkern, Bastlern und Erfindern. Als Kenner vieler sozialer Experimente war er vor 30 Jahren am Aufbau eines umfassend angelegten, alternativen Gemeinschafts- und Siedlungsprojekt beteiligt, das er Mitte der 90er verließ. Derzeit kümmert er sich darum, dass ein Satellit mit bemerkenswerten Aufgaben ins Weltall kommt.
Wir sind gespannt.
möge sich bitte frühzeitig bei uns melden.
Veranstaltungsort: L'Aristokrassie im Belgischen Viertel in Köln; Bismarkstrasse 41, 50672 Köln; unweit der U-Bahn Stationen "Friesenplatz", "Hans Böckler Platz", "Köln West", Anfahrt hier.
Datum & Zeit: Sonntag, 13. Juli 2008, 11 Uhr
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Immer weiter

Von der heimeligen Studenten WG in Tübingen, über Kölns grüne Oase hinter der Tankstelle, bis hin zu Festen des Rabenclan erstrecken sich unsere Aufenthaltsorte. Und es ist noch mehr geplant...
An Beltaine ist geglückt, was wir uns erhofft haben. Menschen unterschiedlicher Ausrichtungen sind zusammengekommen und konnten etwas zusammen gestalten.
Ein schöner Anfang in die richtige Richtung!
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perahtun naht
27. Dezember bis 1. Januar
Die Winterstürme heulen, Freyas Heer jagt über die Felder, Zeit sich zu verkriechen, zu kuscheln und sich zu besinnen, was man will im neuen Jahr
„Die Freiheit beginnt, wo wir der Freude am Vortrefflichen, am Außerordentlichen Raum geben können, jenseits dem Abmühen mit schlichten Lebens- und Überlebensnotwendigkeiten.“
Stark geschwängert von französischer Esskultur begann in gemütlicher Runde das erste homepageöffentliche Treffen des dritten Ortes in der heimeligen Studenten-WG in Tübingen/Bebenhausen.
Ungewöhnlich streng und geradezu erschreckend vorbildlich für die magisch-poetische Handlungsgesellschaft wurde der Zeitplan und das „heilige“ Programm der Veranstaltung eingehalten. Im Nachhinein liegt die Vermutung nah, dass das Programm einfach perfekt inszeniert und an die Gruppe angepasst war. Na gut! Der eine oder andere Programmpunkt wurde verschoben, getauscht oder „verlegt“. Aber alle waren mehr als zufrieden und konnten den Jahrsabschluss trotz zwei-Seiten-Programm entspannt begehen.
Ob Saunathermenbad, Morgenrunde, Filmvorführung, Spaziergang, Silvesterwunschfeuerwerk, Baumzeremonie Heldenehrung oder generell geistiger Arbeit; alles fand seinen richtigen Zeitpunkt. Sicher lag es auch an der relativ kleinen Gruppe, dennoch können sich die Vereinsmitglieder!!! für dieses runde Stelldichein auf die Schulter klopfen.
Ein allenthalben vortreffliches Beisammensein in trauter Familienatmosphäre, so wie man sich das eigentlich wünscht. Ein geistig, gedanklicher, intellektueller wie emotionaler, verbaler und körperlicher Austausch um die eigenen Wünsche, Pläne und Neigungen für einen selbst in und um die Freunde des Dritten Orts. Selbst kleine Natur-katastrophen, die uns daran erinnern wollten, dass auch noch eine materielle Welt existiert, konnten den romantisch-kitschigen Harmonieknäuel nur schwer und kurzweilig aufrütteln.
So war wieder aufgetaucht und aus nun ein wenig zeitlicher Distanz betrachtet der „Verlust des Augenlichts“ in doppelter Hinsicht ein sehr magisches Erlebnis der besonderen Art. Ein Wink aus der Wirklichkeit. Denn weder die verunfallte nahezu nagelneue Brille, als auch das mysteriöse Verschwinden der heiligen Digitalfotokamera, die alles wesentliche optisch dokumentieren s/wollte, beeinflusste die Stimmung nachhaltig, sondern führte allerhöchstens zu einer etwas unruhigen Nachtruhe vereinzelter. Bleibt im Hinterdrein vielleicht lediglich deutungsvoll zu reflektieren, warum und von wem oder was unsere optische Wahrnehmung derart beeinträchtigt werden sollte!?.
Oder die banale Schlussfolgerung: „Shit happens.“
Jedenfalls kann man sagen, dass uns auch die kleinen Krisen eher zusammengeschweißt, denn voneinander entfernt haben. Das zeugt von einer starken Bindung und Geschlossenheit in der Sippschaft, die sich unter anderem im gemeinsamen Thermalbaden vortrefflich widerspiegelte. (Und man konnte den Eindruck bekommen, man habe andere im Äther drumherum ebenfalls infiziert.) Auch angesichts den anderen öffentlichen Auftritten des seltsam „wabernden Dritten-Ort-Wesens“, das nahezu gespenstisch als eine unzertrennliche Herde durch die Realität schwappte, liegt die Frage nahe, wie man es solange miteinander ausgehalten hatte. Vielleicht genügten die diskret nächtlichen Trennungen zur Schlafenszeit? Wobei die Wände ja sehr dünn waren, von einer wirklichen Trennung also nicht die Rede sein kann. Zumal das Wesen ja am nächsten Morgen dann auch noch seine Träume teilte und die Nacht am Bodensee, trotz riesiger Unterkunft an und für sich, auf einem Haufen klebend verbrachte.
(Letzteres als abendlicher Ausklang mit einem anspruchsvollem Dokumentarfilm über das, was wir letztendlich eigentlich wissen bzw. nicht wissen - das ganze jedoch nach einem mühseligen vier Kilometer langen Fußmarsch durch die malerisch dämmrige Uferlandschaft des Bodensees mit integrierter Jahresplanungsbaumzeremonie und anschließendem Einkehrschwung beim „ortsansässigen Italiener“ was dann doch eher dazu verleitete, nach dem Genuß reichhaltiger Kost und dem drohenden Nachschlag mit schwerer geistiger Nahrung stante pede vor der Flimmerkiste einzuschlafen.)
Der Beginn dieser Tage wurde mit der Niederlegung eines blauen Steins und einer Windrose als mobiler Nabel unsere Veranstaltung offiziell markiert und so war denn auch unsere letzte Handlung dieser Tage die symbolische Einsammlung desselben nebst "Ritualplatzutensilien".
Gleichwohl die „leuchtende Nacht“ noch gar nicht war, können wir ein zufriedenstellendes Fazit für unsere Tagung ziehen. Was genau alles noch passiert ist können Neugierige vielleicht aus den Erzählungen anderer Beteiligter erfahren. Auch was die geheimnisvolle Wahrnehmung aus der Anderswelt angeht, wurden ja hier nur Andeutungen gemacht auf die anderswo garantiert tiefer eingegangen wird.
Jede hat ein paar klare Ideen und Inspirationen für das kommende Jahr formuliert und schon fast traditionell einen ganz besonderen Wunsch per Feuerwerksrakete in den Quantentunnel gesendet, jeder wurde reichlich beim Heldengesang lobend bejubelt, jede hat das vergangene Jahr abgelegt und somit hat jeder ein Bündel an schwungvoller Motivation im Gepäck, um 2008 das Richtige zu tun. Was auch immer das sein möge.
Ich wünsche allen in ähnlicher Gelöstheit den Jahresabschluss erlebt zu haben und einen gesunden kraftvollen Start ins neue Jahr, sowie einen vortrefflichen Verlauf 2008!
Oire te retro!!!
Stephan, aus dem Quantentunnel
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Von Ritualen und heiligen Maulwürfen
Die Magisch-Poetische Handlungsgesellschaft veranstaltete in Kooperation mit dem "Rabenclan - Verein zur Weiterentwicklung heidnischer Traditionen" in Köln vom 5. bis 7. Oktober 2007 einen Workshop mit dem Kulturtheoretiker PD Dr. Narahari Rao (Universität Saarbrücken) zu grundlegenden Fragen beim Verständnis animistischer und und polytheistischer Traditionen. Der intensive, zweieinhalbtägige Dialog wurde von dem Philosophiedozenten ganz in einem mäeutischen Stil moderiert. Rao ist selbst in zwei Kulturkreisen zu Hause und kennt die Problematik, wie Begriffe und Vorstellungen der westlichen Forschungstradition, die unzweifelhaft vom Christentum geprägt sind, das Verständnis von Lebensweisen in polytheistischen oder animistischen Traditionen und Milieus behindern. Aufgrund eigener Erfahrung ist er mit den Herausforderungen vertraut, die sich bei der Entwicklung und Etablierung sogenannter "alternativer Lebenszusammenhänge" ergeben.Ausgangspunkt der Diskussionen war die grundsätzlichere Frage danach, was ein gutes Leben ausmacht und was die Bedingungen eines solchen sind. Im Nachvollzug der bekannten idealtypischen Einteilung bei Aristoteles (Familie, Dorf, Stadtstaat) stellte sich die in der Gemeinschaftsbewegung durchaus unangenehme Frage, welche Mindestgröße gemeinschaftliche Strukturen überhaupt haben müssen, damit die Bedingungen für ein gutes Leben gegeben sind. Weitergefasste Strukturen wie z.B. Nationalstaaten oder internationale Beziehungsgeflechte in der globalisierten Welt kannte Aristoteles noch nicht, und ihre Bedeutung heute kann auch nicht mehr ignoriert werden, allerdings ist das zentrale Vorteil der Überschaubarkeit der Polis ein guter Hinweis, was der Preis großer sozialer Gebilde ist und wo Anonymisierungseffekte komplexer Interdependenzketten durch weitere Elemente einer Lebensform wieder kompensiert werden sollten. Allein die Komplexität einer Polis macht aber deutlich, daß größere Strukturen auch die eigengesetzliche Entwicklung und Verfeinerung neuer Bedürfnisse, Notwendigkeiten, Fertigkeiten und Institutionen zur Folge haben.
Im Fortgang des Workshops schälte sich die Bedeutung von Festen und Ritualen für die Etablierung und Verfeinerung des Ethos und des Sets an Fertigkeiten heraus, die für eine Gemeinschaft und das individuelle Leben wichtig sind. Anhand von Danksagungen bei Feiern (z.B. bei der Lebensrückschau anläßlich von Geburtstagen) wurde exemplarisch die Frage erörtert, wie Rituale Ethos und Haltungen trainieren. Dankbarkeit und dankbar zu sein steht in einem engem Verhältnis zu einer Anerkenntnis des "Verschuldet Seins" gegenüber jemandem. Letzteres ist eine eigentümliche Verpflichtung, die sich aus der erhaltenen Wohltat ergibt. Eine Analyse dieser Verpflichtung erhellt wiederum auch die Frage, wer überhaupt Teil der sozialen Gemeinschaft ist, für die die Frage nach den Bedingungen des guten Lebens geklärt werden muß.
Der als Ausgangsbasis für die weitere Diskussion verwendete Aufsatz von Ernst Tugendhat "Wem kann ich danken? Über Religion als Bedürfnis und die Schwierigkeit seiner Befriedigung" thematisiert diese Problematik des personalen Bezugsrahmens beim Phänomen des Dankens. Tugendhat hält es für "schwer vorstellbar, dass Menschen nicht ein wesentlicher Aspekt ihres Lebens entgeht, wenn sie für ihr Leben und für das, was ihnen in ihrem Leben wichtig ist, nicht danken können." Zugleich erscheint ihm die Meinung unbefriedigend, "dass alles Danken sich auf das Bewusstsein reduzieren lasse, dass andere natürliche Personen für das Geschehen dessen, was für einen gut ist, verantwortlich seien; ein darüber hinausgehendes Danken gebe es nicht." Er spitzt aber die Problematik voreilig theologisch auf den Gottesglauben zu, wenn er konstatiert: "Unbefriedigend ist zweitens die Ansicht, dass ein solches Danken, das über die Dankbarkeit gegenüber natürlichen Personen hinausgeht, auch anonym sein könne, dass also das Objekt des Dankens, das im Dativ steht, nicht eine Person sein müsse. Es gäbe dann ein Danken gegenüber einem nichtpersonalen Wesen. Demgegenüber erscheint es mir evident, dass man nur einem Wesen danken kann, dem gegenüber es auch sinnvoll sein kann, etwas zu erbitten; und es ergibt keinen Sinn, ein nichtpersonales Wesen um etwas zu bitten. Es erscheint also sinnwidrig, zu einer nichtpersonalen Instanz zu beten oder ihr zu danken; und das heißt, es wird dann sinnlos, für Dinge zu danken, für die man nicht einer natürlichen Person danken kann." Da nach Ansicht des Tübinger Philosophen der Glaube an einen christlichen Gott, dem man danken kann, die intellektuelle Redlichkeit verletzt, kreist der Aufsatz dann um dieses Dilemma und verpasst so die Möglichkeit die Komplexität des Phänomens der Dankbarkeit befriedigend auszuloten.
Im Verlauf der weiteren Diskussion ermittelten die Workshopteilnehmer eine Vielzahl an Grenzbereichen, in denen Dankbarkeit sinnvoll auf etwas ausgerichtet werden kann, das im Grenzgebiet der Personalität liegt (intellektuelle oder kulturelle Traditionen, Institutionen, verstorbene Ahnen, Tiere, Pflanzen usw.), selbst wenn an der etablierten begrifflichen Unterscheidung von nicht-intentionalem Ereignis versus absichtsvoller Handlung, anhand derer sich Personalität diagnostizieren lässt, festgehalten wird. So wie wir Personen für ihre schlichte Existenz dankbar sein können, wenn sie allein durch ihr Dasein und ohne bewusste Intention ihrerseits unser Leben bereichern, so können wir auch nicht-menschlichen Lebewesen dankbar sein, wenn sie unser Leben bereichern (- beliebtes, viel Heiterkeit auslösendes Beispiel war der Maulwurf mit seinen charakteristischen Erdaushubaktivitäten). Und in beiden Fällen kann sich über die Dankbarkeit jenes oben erwähnte Bewusstsein eines "Verschuldet Seins" herausbilden, das doch eigentlich Kennzeichen einer Beziehung zu einem personalen Wesen ist.
Rituale in naturreligiösen Kulturen thematisieren oft genau solche eigentümlichen personalen Beziehungen zu aus heutiger, anerkannter Sicht "nicht-personalen" Wesen und trainieren so einen spezifischen Ethos. Dieser Ethos macht auch deutlich, daß sowohl Stellvertreterhandlungen (ein spezifisches Objekt oder Lebewesen erfährt bei Gelegenheit oder in ausgewählten Situationen besondere Aufmerksamkeit, Pflege oder Ehrung), als auch eben Rituale kein Ersatz für die Erfüllung der Ansprüche sind, die sich aus den Verpflichtungen gegenüber solchen Wesen ergeben. Im Gegenteil: beide thematisieren diese Verpflichtungen, erinnern an sie und üben ein, in welcher Haltung ihnen nachgekommen werden muß. Wer z.B. die Ahnen ehrt, kommt also nicht um die Aufgabe herum, dennoch die Tradition zu pflegen und weiterzugeben, die die Ahnen gestiftet haben. Und wer den "Herr der Tiere" ehrt, ist nicht von dem Anspruch befreit, auch in anderen Bereichen des Lebens sorgsam und umsichtig mit Jagdtieren umzugehen.
In Ritualen drückt sich also eine Vernünftigkeit aus, die Ergebnis einer spezifischen lebensweltlichen Erfahrung ist. Diese Vernünftigkeit kann nicht ohne weiteres mit dem Argument bestritten werden, daß hier "Kultur" mit "Natur" verwechselt wird, da Bäume nun einmal Objekte (Dinge, Sachen) sind, aber keine Personen. Es ist bereits Folge einer historisch kontigenten Lebenspraxis, eines Umgangs und einer darauf aufsetzenden Tradition, nicht einfach Konsequenz einer simplen Wahrnehmung, daß Bäume der Kategorie "Dinge" zugeordnet werden, daß ihnen also nur Ereignisse widerfahren und sie nur Teil von Ereignissen sein können, aber nichts, von dem Handlungen ausgehen.
Diese Vernünftigkeit eines Ethos, der die Dankbarkeit gegenüber Wesen beinhaltet, deren Personalität heute im anerkannten Diskurs abgestritten wird, zeigt sich auch in einem reifen Verhältnis zur Begrenztheit des Menschen. Denn die Dankbarkeit gegenüber allem, was unser Leben bereichert, schützt uns nicht davor, sich gegenüber diesem zu vergehen und die sich aus der Dankbarkeit ergebenden Verpflichtungen lassen sich auch niemals vollständig einlösen. Hier zeigt sich eine Anerkenntnis der tragischen Situation des Menschen, wie sie z.B. auch in den germanischen Heroenepen oder im antiken griechischen Drama zur Sprache kommt.
Bemerkenswert bei dieser Betrachtung ist, daß Rituale nicht als symbolisches Ausdruckssystem gedeutet werden, als verklausulierte, metaphorische Umschreibung eines "Glaubenssystems", sondern als Aktualisierung und Einübung eines Handlungswissen, einer Fertigkeit, eines Know Hows. Sie trainieren eine Haltung und tun dies, indem sie Handlungen ausführen und in Handlungsabläufe einüben, nicht indem sie verbale Lehren erteilen. Die Einübung der Handlungsabläufe beinhaltet in sich den Anspruch auf Aufmerksamkeit, die den rituellen Ablauf aus der Routine reißen soll. Wenn also beklagt wird, daß ein tradiertes Ritual zur bloßen Routine verkommen ist, so ist dies kein Argument dafür, daß das Ritual gescheitert oder obsolet ist. Nicht das Ritual hat gefehlt, sondern diejenigen, die den grundsätzlichen Anspruch jeden Rituals nach Aufmerksamkeit nicht mehr nachgekommen sind. Rituale wandeln sich in der Regel aufgrund sich verändernder Lebensumstände, die bestimmte rituelle Formen verunmöglichen können. Rituale können aber daneben tatsächlich obsolet sein, z.B. dann, wenn der von ihnen durch die rituellen Handlungen eingeübte Ethos nicht mehr als akzeptabel erscheint.
So weit ein Ausschnitt aus dem Spektrum der in der Diskussion geäußerten Gedanken. Der hier skizzierte Gedankengang kann den inhaltlichen Diskussionsverlauf lediglich andeuten. Es versteht sich von selbst, daß nicht jeder Aspekt dieser Überlegungen von allen Workshop-Teilnehmern geteilt wurde. Eine Vielzahl weiterer Überlegungen zum Verhältnis von Ritual und Kunst, zu Ritualen mit Pflanzen, Tieren und Verstorbenen, zu den Eigenschaften und dem Sinn von Festen, dem tragischen Bewußtsein angesichts der Unabsehbarkeit von Handlungen und der Unwiderruflichkeit des Getanen, dem Phänomen der Weitergabe von Traditionen (unsentimental verstanden als Hort von Fertigkeiten, Sitten, Aussagensystemen, Ethos und Weltanschauung) und den detaillierten Bedingungen des guten Lebens war ebenfalls Teil der intensiven Dialogs.
Auch jenseits der offiziellen Diskussionsrunden wurde überlegt, argumentiert und analysiert, teilweise bis spät in die Nacht. Oft konnte nur eine erste Fährte für weitere zukünftige Überlegungen gelegt werden, die aber für die sichtlich zufriedenen Teilnehmer eine gute Ausgangsbasis für eigene Forschungen und Reflexionen bildeten. Gerade die Tatsache, daß der Teilnehmerkreis sich aus Menschen mit ganz unterschiedlichem persönlichen Hintergrund zusammensetzte (Universität, Marketing, NGO, alternative Lebensweisen etc.) und sich nicht nur aus dem akademischen Milieu rekrutierte, war für die Diskussion sehr hilfreich, da so lebensweltliche Erfahrungen und Intuitionen noch unbeschwert und unbehindert von schulphilosophischen Deutungsautomatismen eingebracht werden konnten.
Wie nicht anders zu erwarten blieb der Dialog unabgeschlossen. Eine Folgeveranstaltung ist für den Jahresbeginn 2008 geplant.
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