Was ist der Dritte Ort?

Der Dritte Ort ist unser Platz für ein Leben in Freundschaft, Freiheit und Schönheit. Er wird geschaffen von einem lockeren Freundeskreis von Männern und Frauen jeden Alters, die sich seit einer ganzen Reihe von Jahren kennen und diesem Ort Gestalt geben. Diese Gruppe versteht sich als einer von mehreren Kondensationskernen in einem weitläufigen Netz von locker miteinander verbundenen Menschen mit verwandten Interessen, Visionen und einem bestimmten, nicht ganz konventionellen Lebensstil.

In allererster Linie sind wir ein putzmunterer Kreis von Freunden, die eine gemeinsame Unternehmung begonnen haben. Mehrmals im Jahr treffen wir uns, um uns persönlich auszutauschen, kulturelle Projekte zu planen und auszuführen, zu feiern, zu lachen, gemeinsam nachzudenken oder Abenteuer zu beginnen, die unser Herz schneller schlagen lassen und uns die Röte ins Gesicht treiben. Wir verstehen uns als Handelnde, die immer wieder einen neuen Anfang in die Welt setzen und durch Taten immer wieder eine Geburt von Ereignissen initiieren. Deshalb bezeichnen wir uns auch als "Handlungsgesellschaft".

Uns geht es um ein schöpferisches und buntes Leben, in dem unsere Bedürfnisse nach Solidarität, Geborgenheit und Wohlwollen, nach sinnvoller und erfüllender Tätigkeit, nach Freiheit und Vielfalt und nach geistiger, sinnlicher, erotischer und körperlicher Entfaltung erfüllt werden. Wir glauben, dass dafür nicht nur wirtschaftliche und politische Grundlagen notwendig sind, sondern ebenso Lebensweisen, in denen menschliche Qualitäten und Tugenden (wie etwa Daseinsfreude, Mut, Klugheit, Umsicht, Gerechtigkeit, Großzügigkeit, Freundlichkeit, Achtsamkeit, Urteilskraft, Selbstbestimmtheit und viele mehr) gepflegt werden. Deshalb kultivieren wir unser gemeinsames menschliches Biotop als Keim für ein Zusammenleb- und Kulturprojekt.

Unser Bild ist aber nicht das einer engen, selbstgenügsamen Öko-Kommune. Wir schätzen modernes Leben und vieles, was nur quirlige Städte und moderne Zivilisationen hervorbringen können. Deshalb ertasten wir uns ein "Zusammenlebmodell", das sowohl in der Stadt wie auch auf dem Land zu Hause ist: Als Lebensmodell im Sinne einer grundlegenden Stadt-Land-Solidarität und als Projekt für Menschen, die die Industriegesellschaft anerkennen und sie zugleich verändern wollen: Eine raumverbindende und raumübergreifende Form von Gemeinschaft. (Mehr dazu hier)

Die meisten Menschen aus unserem Freundeskreis verdienen ihr Geld in unkonventionellen und alternativen Arbeitszusammenhängen. Aber wenn es hier auch mehr Selbstbestimmung und weniger Hierachie als in herkömmlichen Arbeitsmilieus geben mag, so gelten für uns alle die ganz "normalen" Zwänge der modernen Marktwirtschaft und der Staatsbürokratie, die in unser Wirtschaften und Arbeiten eingreift und es reguliert. Ökonomische Strukturen prägen unsere Art und Weise zu handeln, sie formen Charaktere und Einstellungen. Dass in unserem alltäglichen wirtschaftlichen Verhalten es als ganz "natürlich" vorgesehen ist, dass jeder selbst auf seinen Gewinn achten muss und der eigene Vorteil wichtiger ist als der Nachteil des anderen, halten wir für pervers. Auch wenn wir noch ganz am Anfang stehen,setzen wir uns deshalb für neue Wirtschaftsformen ein. (Mehr dazu hier).

In Dingen der Liebe haben wir eine Freude daran, geschützte Räume zu erschaffen, in denen sich Lust, Liebe und Sinnlichkeit entfalten können. Manche von uns teilen mit einem Menschen Tisch, Bett und Herz, andere mit mehreren. Wir glauben, dass in der Liebe und Erotik - sollen sie glücken - genauso Fertigkeiten und Tugenden von nöten sind, wie in anderen Bereichen des Lebens. (Umsicht, Sinn für Angemessenheit und eine offene, unterstützende Kommunikation sind z.B. solche Anforderungen an den einzelnen.) Zudem müssen wir uns eigene Formen des Zusammenlebens erschaffen. Wie die Grundlagen einer polyamoren Kultur als Lebensform aussehen können, ist einer unserer Forschungs- und Handlungsbereiche. (Mehr dazu hier und hier).

Wir wissen, daß eine Welt immer auch durch Magie und Poesie zusammengesetzt ist - und wird. In der ein oder anderen Weise haben wir also alle einen Zugang zur Welt, der Magie und Poesie nicht ausschließt. Unter anderem deshalb erfreuen sich naturreligiöse, heidnische, animistische oder polytheistische Traditionen bei uns einer gewissen Beliebtheit. Wir glauben, dass man von dem Wissen und der Lebensweise solcher Traditionen einiges für ein zeitgemäßes Leben lernen kann und entsprechend nutzen wir sie dafür.

Einige von uns reden zwar mit Göttern, Trollen oder Bäumen, (der ein oder die andere mag mit ihnen bei Gelegenheit sogar ins Bett gehen), dennoch können wir mit der Esoterik- und Selbsterfahrungsszene eher wenig anfangen. Wir alle profitierten und profitieren zwar davon, dass durch die New Age - und Psychowelle hilfreiche Fertigkeiten und Rituale, ungewohnte Sichtweisen und häretische Wissenschaften in die Bücher, Seminarhäuser und Volkshochschulen gespült wurden. Aber wir stehen wir weder auf Perwollbetroffenheits-Sprache noch auf esoterische Blauäugigkeit. Wir haben und kennen keinen Heilsplan und wir können auch nicht mit einem Rezept zur ultimativen Erleuchtung, dem finalen Einklang von Kronenchakra und Akasha-Chronik, mit transpersonalem Orgasmus oder dem wahren Superduperschöpfertum über das eigene Leben dienen.

Nicht jeder von uns ist eine Künstlerin, aber wir alle lieben Farbigkeit und Phantasie, sinnlicher Ausdruck durch Kunst, Musik, Poesie, Film, Ritual und Aktionen. Wir laden deshalb immer wieder Künstler auf unsere Treffen ein oder initiieren eigene Projekte. (Und wenn es um die Kommunikation mit Göttern, Trollen oder Bäumen geht, ist Kunst gar keine so schlechte Verständigungsmethode.)

Wacher Geist, gedankliche Freiheit und intellektuelle Unbestechlichkeit sind für uns weitere wichtige Tugenden. Seinen Verstand kritisch zu gebrauchen, um mündig und selbstbestimmt im Alltag, in Angelegenheiten der Weltanschauung, der Politik, der Wissenschaft, der Wirtschaft, Kultur und Religion sein Urteil zu fällen, ist eine unabdingbare Voraussetzung für ein gelungenes Miteinanderleben. Guruwesen, Verklärungen und Heilsversprechen können wir nicht leiden, stammen sie nun aus esoterischen, politischen, ökonomischen, wissenschaftlichen oder anderen Bewegungen.

Labels: