Plakat Neue Schar

Zusamenbruch des Alten!

Ein Küchengespräch mit Heide – Tochter von Friedrich Muck Lamberty

am 24. November 2016, 20:00 Uhr

Vor hundert Jahren verbreitete sich die sogenannte Bündische Jugendbewegung. Einer der kurzeitig bekanntesten Führer dieser Bewegung war der junge Drechsler Friedrich „Muck“ Lamberty. Die von ihm gegründete „Neue Schar“ zog tanzend durchs Land und verkündete eine „Revolution der Seele“.Die starren lebensfeindlichen Strukturen der alten Gesellschaft sollten durch „gesundes“ und „natürliches“ Jugendleben durchflutet werden. Die Mitglieder der Gruppe teilten ihren gesamten Besitz, ernährten sich vegetarisch, schliefen unter freiem Himmel und mieden Alkohol. Die traditionelle Volkskultur sollte modernisiert werden. Die Gruppe erzeugte durcn ihr Singen, Tanzen und Leben eine magnetische Wirkung auf zahllose Jugendliche und junge Erwachsene..Schließlich folgten ihr Tausende bei ihrem Zug durch Franken und Thüringen. Künstler und Intellektuelle wie Hermann Hesse, Heinrich Vogeler, der Maler Fidus, der Fotokünstler Umbo setzten sich mit der Bewegung auseinander. Als um Muck Lamberty ein Skandal ausbrach, da er mehrere Geliebte in der Gruppe hatte und zwei Frauen zugleich schwängerte, setzte heftige Kritik in der Presse ein. Die „Neue Schar“ zerfiel.

Doch auch danach beschäftigte sich Muck Lamberty mit Gemeinschaftsleben, alternativen Wirtschaftsformen, Pazifismus, Gesundheit und Ökologie. Er gründete ein Kollektiv an Holzhandwerkern – die „Werkschar“ – mit einem eigentümlichem Design. In einem Bekanntenkreis von Prominenten wie etwa Käthe Kruse, Stefan George, Johannes R. Becher, Karl Hofer, Leni Riefenstahl, Mary Wigman, Silvio Gesell und Martin Niemöller unterhielt er einen regen Austausch über die Anliegen der Jugendbewegung. Muck hatte teilweise völkische und rassistische Überzeugungen, war aber kein Nationalsozialist. Im Dritten Reich geriet er aufgrund „politischer Unzuverlässigkeit“ in das Visier der Nazis und in Haft.

Heide ist die Tochter von Muck Lamberty. Sie selbst gehörte in den frühen 80er Jahren zur Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung. Ein wegweisendes Urteil des Bundesgerichtshofes zum Demonstrationsrecht geht auf ihre Klage zurück. Das Team der Werkstatt hat an vielen Abenden mit Heide am Küchentisch anregende Geschichten aus ihrem reichhaltigen Leben hören dürfen. Diese Atmosphäre möchten wir mit Euch teilen und werden an diesem Abend über ihren Vater als einen der Grossväter heutiger alternativer Lebensstile sprechen.

Mit am Tisch: Julio und Steffi.

Einlass: 19.30, Beginn: 20.00

Anmeldungen zu dem Vortrag machen uns die Abschätzung der Anzahl der Besucher_innen einfacher. Wir freuen uns also über Anmeldungen vorab.

..
.
.