31. Dezember: Silvester “In seines Nabels engem Becher das ganze Dunkel” – Was ist der Dritte Ort?

Die Tantramassage

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Küchengespräch mit der Ausbilderin Michaela Riedl

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am 24. März 2017, 20:00 Uhr

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Foto MassageszenerieDie Tantramassage ist eine sinnlich-erotischen Massage in ritualisierter Form, die in den 80er Jahren entwickelt wurde und bei der die oder der Empfangende mittels Händen, Stoffen, Fellen, Ölen, Puder etc. erotisch verehrt wird. Es gibt eine Rahmung durch rituelle Elemente der Einleitung und der Beendigung der Massage. Zudem sind Bewegungselemente und ganze Abläufe festgelegt, wobei je nach Schule und Stil diese Ordnung ausgesprochen minutiös verfolgt wird oder eher als Grundschema gilt, das weitgehende individuelle Variationen zulässt. Die massierende Person nimmt im Tantramassage-Ritual eine verehrende Haltung an, die nicht mit diagnostischem Blick nach Heilungsbedarf und Schwachstellen des Körpers schaut, sondern mit jedem Griff und jeder Berührung ein Gefühl des Angenommen-Seins vermitteln will. Der fremde Körper und seine Sexualität sollen gefeiert und geehrt werden. Der sinnliche Genuss ist dabei Selbstzweck.

Einerseits ist die Tantramassage eine Disziplin der erotischen Körperkunst: Es gibt spezialisierte Schulen, die fachmännisch in Wochenend- und Blockseminaren die Massage lehren. Paare und interessierte Laien besuchen die Ausbildungskurse oder buchen Coaching-Sessions in den Praxen, um ihre Sexualität und Sinnlichkeit zu erweitern. Hinzu kommen Lehrbücher und Lehrvideos, Supervisionsangebote, Ausbildungsrichtlinien, Prüfungskriterien und eine Vielzahl an ergänzenden Fortbildungsmöglichkeiten. Unterschiedliche Stile haben sich in Anlehnung an die diversen Schulen ausgebildet. Ein erster Fachkongress fand vor drei Jahren statt. Andererseits wurde sie als Berufszweig etabliert. Heute koexistieren etwa zwei Dutzend mittelgroße und große kommerziellen Praxen mit einem unüberschaubaren Netz an Freelancern, mit heterosexuellem wie homosexuellem Angebot. Kunden und Kundinnen bezahlen 100 bis 400 EUR, um für ein bis vier Stunden auf eine „sinnliche Reise durch ihren Körper“ geschickt zu werden oder ihre „sinnlich-erotische Energie zu wecken“.

Michaela Riedl ist eine der erfahrensten Ausbilderinnen in diesem Bereich. 1998 gründete sie gemeinsam mit Martina Weiser ANANDA, eines der einflussreichsten Tantramassage-Praxen Deutschlands. 2005 folgte mit ANANDA WAVE ein eigenes Ausbildungsinstitut. Riedl veröffentlichte zudem zwei erfolgreiche Bücher über die männliche und weibliche Intimmassage. Von 2012 bis 2014 engagierte sie sich als Vorsitzende des TMV, dem deutschen Berufsverband für Tantramassage. 2015 erstritt sie vor dem Verwaltungsgericht Köln gegen die Bezirksregierung Köln, dass die von ihr angebotene Tantramassage-Profiausbildung auf einen Beruf vorbereitet, ordnungsgemäß geregelt und anhand von objektiven Kriterien überprüfbar.

In dem Küchengespräch reden wir über Hintergründe, Geschichte, Entwicklung, Chancen und Probleme der Tantramassage. Was ist ihr politisches, sexualpädagogisches und soziales Potential? Welche Trends gibt es in der Praxis? Was ist kritikwürdig in der Fachszene und im Berufsalltag? Wie reagieren die Ausbildungsinstitute und die arbeitenden Frauen und Männer auf die in West- und Mitteleuropa wieder erstarkte Regulierung und Disziplinierung von Sexworker und Sexworkerinnen ?

Mit am Tisch: Julio und Steffi

Einlass: 19.30, Beginn: 20.00

Alle Aktivitäten in der Werkstatt, ihr Betrieb, die Anreise der Referenten etc. müssen irgendwie finanziert werden. Wir bitten daher um einen Unterstützungsbeitrag von 12,- €. Mann, Frau oder sonstiger Mensch kann aber auch zu einem geringeren Betrag nach freier Wahl dabei sein – oder auch gar nichts geben.

Anmeldungen zu dem Vortrag machen uns die Abschätzung der Anzahl der Besucher_innen einfacher. Wir freuen uns also über Anmeldungen vorab.

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